Branded Search ist der Moment, in dem eine Person deinen Namen bereits kennt und gezielt zu dir will. Wenn Wettbewerber bei diesen Suchanfragen auftauchen, geht es nicht nur um verlorene Klicks – es kann zu Verwechslungen, höheren Akquisekosten und zusätzlichem Support-Aufwand führen. 2026 lautet das Ziel: die Nachfrage sauber abholen, ohne Nutzer zu täuschen, und dabei innerhalb der Google-Ads-Regeln sowie gängiger Trademark-Grundsätze bleiben.
In vielen Märkten dürfen Wettbewerber auf deinen Markennamen als Keyword bieten. Das wirkt zunächst kontraintuitiv, entspricht aber dem Auktionsprinzip: Keywords steuern, wann eine Anzeige erscheinen kann, während Richtlinien vor allem regeln, was die Anzeige behauptet und wie eindeutig die Identität des Werbetreibenden erkennbar ist.
Kritisch wird es typischerweise bei Anzeigentext und Darstellung der Herkunft. Wenn eine Anzeige den Eindruck erweckt, sie stamme vom Markeninhaber oder es bestehe eine offizielle Verbindung, steigt das Risiko – sowohl im Hinblick auf Richtlinien als auch rechtliche Fragen. Reines Keyword-Bidding wird in der Praxis häufig anders behandelt als irreführende „Herkunftssignale“.
Die Durchsetzung von Markenrechten in Anzeigen ist oft beschwerdegetrieben: In der Regel muss der Markeninhaber (oder ein autorisierter Vertreter) aktiv werden. Wenn Google die Nutzung im jeweiligen Kontext als unzulässig bewertet, kann der Markenbegriff im Anzeigentext für den Werbetreibenden eingeschränkt werden.
Trenne zwei Ziele: Markenverteidigung als Marketingkanal und Markenschutz als Richtlinien-/Rechtsthema. Auf der Marketingseite geht es darum, die Marken-Intention mit Klarheit und Relevanz zu gewinnen. Auf der Trademark-Seite geht es darum, missbräuchliche Nutzung im Anzeigentext oder eine verwirrende Darstellung zu stoppen.
Lege eine einfache interne Regel fest, die unnötige Konflikte verhindert: Verwende Wettbewerber-Marken nicht im eigenen Anzeigentext, außer du hast eine klare Erlaubnis oder einen ausdrücklich zulässigen Sonderfall. Selbst wenn etwas theoretisch argumentierbar wäre, kostet es in der Praxis häufig Zeit durch Ablehnungen, Beschwerden und Diskussionen.
Halte Belege griffbereit. Für eine Beschwerde brauchst du typischerweise Suchbegriff, Datum/Uhrzeit, Standort, Screenshot, Werbetreibenden-Name, Anzeigentext und Zielseite. Behandle das wie einen kleinen Incident-Response-Prozess – nicht wie eine spontane Einzelreaktion.
Die robusteste Verteidigung ist, dass dein Ergebnis eindeutig als offizieller Weg erkennbar ist. Baue dafür eine eigene Brand-Kampagne mit enger Ausrichtung auf Kernbegriffe, häufige Tippfehler und starke Intent-Zusätze (z. B. Login, Support, Preise, App, Bewertungen). Trenne Brand strikt von Non-Brand, damit Budget und Reporting sauber bleiben.
Nutze Assets konsequent, um mehr sinnvolle Fläche einzunehmen und den Intent schnell zu erfüllen: Sitelinks zu offiziellen Bereichen, strukturierte Snippets für Kategorien, Callouts für belegbare Servicepunkte und – wenn passend – Standort-/Anruf-Assets. Das ist oft wirksamer als dauerhaft höhere Gebote, weil erwartete CTR und Relevanz mitspielen.
Richte die Zielseite auf den Suchintent aus. Wenn die Anfrage „Login“ signalisiert, führe direkt zum Login. Bei „Support“ führt der beste Weg zur Hilfe. Je schneller Nutzer den richtigen offiziellen Einstieg finden, desto weniger Raum bleibt für Zweifel – und damit für Abwanderung zu Wettbewerbern.
Arbeite mit drei Ebenen: (1) Brand-Kernbegriffe (Exact/Phrase), (2) Brand + Intent (Preise, Support, App, Bewertungen, Jobs), (3) Tippfehler/Varianten. Setze Negatives zwischen den Ebenen, damit du dich nicht selbst kannibalisierst und die Daten verständlich bleiben.
Nutze Zielgruppen für Gebotssteuerung, nicht für Identitätsnebel. Die faire Variante der Verteidigung heißt: Menschen, die dich ohnehin suchen, schneller zum offiziellen Ziel führen als jeder andere. Vermeide alles, was eine Verbindung zu Wettbewerbern suggeriert oder die Herkunft des Werbetreibenden unklar macht.
Bewerte Erfolg nicht nur über „Impression Share“. Tracke kombiniert Paid+Organic auf Brand, Assisted Conversions, Time-to-Conversion und Hinweise auf Fehlleitungen (z. B. Support-Tickets wie „falsche Anzeige geklickt“). Gute Verteidigung reduziert Verwechslung – auch wenn Konkurrenzanzeigen weiterhin gelegentlich sichtbar sind.

Monitoring sollte Routine sein. Sinnvoll ist 2026 eine wöchentliche Prüfung der wichtigsten Brand-Queries, Auction Insights der Brand-Kampagne und ein kurzes Log zu den wiederkehrenden Botschaften der Wettbewerber. Ziel ist die Trennung zwischen normalem Wettbewerb und irreführendem Verhalten.
Bei Verdacht auf Missbrauch: sichere Belege strukturiert (Query, Zeitpunkt, Standort, Screenshot, Werbetreibender, Zielseite). Danach wählst du die passende Reaktion: Richtlinienbeschwerde bei Markenbegriffen im Anzeigentext, rechtliche Eskalation nur bei wiederholtem, schädlichem Verhalten, oder rein strategische Verteidigung, wenn es „nur“ um aggressives Bidding mit klarer Kennzeichnung geht.
Reagiere verhältnismäßig. Unkontrolliertes Hochbieten kann Effizienz zerstören, und harte Drohungen bei gewöhnlichem Keyword-Bidding schaffen oft nur Reibung. Ein ruhiger, belegbasierter Prozess schützt Budget, reduziert Verwechslung und wirkt glaubwürdig, falls Eskalation nötig wird.
Wenn Wettbewerber deine Marke im Anzeigentext so nutzen, dass es unautorisiert oder irreführend wirkt, ist der direkteste Weg meist eine Trademark-Beschwerde über Googles offizielle Abläufe. Das führt – wenn Google den Fall so bewertet – typischerweise zu Einschränkungen der Markennutzung im Anzeigentext.
Organisatorisch hilft ein klarer Owner (oft PPC + Legal), eine Standardvorlage für Belege und eine gepflegte Liste der geschützten Marken inkl. Varianten. Bei internationaler Ausspielung gilt: Rechte und Durchsetzung können je nach Land unterschiedlich sein – deshalb lohnt sich eine länderspezifische Dokumentation.
Vergiss Produkt und UX nicht. Wenn Konkurrenz gewinnt, weil der offizielle Weg langsam, unklar oder intent-fremd ist, liegt die nachhaltige Lösung oft on-site: schnellere Seiten, klarere Navigation, stärkere Vertrauenssignale und Zielseiten, die exakt zur Brand-Intention passen. Das reduziert Abfluss ohne fragwürdige Taktiken.